Ein Reisebericht

Letzte Worte

 

Es war einmal ein Mädchen, das zog aus, das Fürchten zu verlernen...

Jetzt ist es wirklich so weit; dies ist der letzte Blogeintrag aus meinem Kanadajahr.

Berühmt werden meine letzten Worte sicher nicht, aber das ist auch nicht wichtig.

Wichtig ist das hier:

Ich möchte mich bei denjenigen von euch bedanken, die so treu und mit Anteilnahme meine etwas konfusen, manchmal deprimierten, mitunter heiteren, oft verwirrten, jedoch immer ehrlichen Beiträge verfolgt haben.

Danke, wirklich. Das hat mir sehr viel bedeutet.

Das Schreiben dieses Blogs hat als einfache Möglichkeit, euch immer auf dem Laufenden zu halten, angefangen, ist im Laufe des Jahres aber zu sehr viel mehr geworden. Trost zum Beispiel. Oder man könnte es auch Gedankenwirbelentwirrungstherapie nennen Schreiben ist immer das beste Mittel.

So, genug mit dem Wehmutsgejammer.

Die letzten paar Tage waren großartig und einfach der perfekte Abschluss. Bruce- ja, der Heilige, der zwei Freunden und mir im Juni geholfen hat, von Prince Edward Island zu entkommen- und seine Familie sind so voller Wärme, dass ich es wirklich genossen habe, für ein paar Tage bei ihnen zu leben, mit Bruce schöne Ausflüge rund um und in Halifax zu machen und schließlich sogar nochmal für zwei Tage nach PEI zu kommen. Und selbst Clara war dabei!

Nun kann ich stolz und wahrheitsgemäß behaupten, im Atlantik geschwommen zu sein (wobei „geschwommen“ vielleicht etwas hoch gestochen ist. Ich bin nur kurz eingetaucht und hab mich wegen der vielen Quallen nicht weiter raus getraut. Aber psssst.)

Und auch ein kleines Musikfestival haben wir besucht; die Sonne, den Wind und das Meer gefühlt und genossen.

Ach, ich könnte ewig hier bleiben.

Ich habe mich für ein Studium in Deutschland beworben. Vielleicht geht mein nächster Plan ja auf und ich werde wenigstens für eine kleine Weile auch in Vancouver studieren können (dann nehme ich den Blog hier wieder auf!).

Morgen geht mein Flieger nach Hause..., mit mir da drin, wenn ich nicht aufpasse.

Und ich werde heulen, heulen, heulen und mich gleichzeitig auch ein bisschen auf Zuhause freuen.

(Falls es aber morgen in den Nachrichten heißt, der Flughafen Halifax sei wegen einer Tränenflut geschlossen – ihr wisst warum!)

Nochmals, vielen vielen Dank für euch und auch die ganzen lieben Kommentare

Es hat mir so viel Freude gemacht!

 

The end

29.7.14 04:16, kommentieren

Von Newfoundland nach Nova Scotia (über viel, viel Wasser...)

Wer immer es auch gewesen ist, der gesagt hat, Zeit ein Pferd, das im Herzen rennt- der hatte definitiv recht!

 Zeit verwandelt sich vor meinen Augen gerade in eine Sanduhr, in der die letzten Körner gerade noch in der oberen Schale hängen.

Ich glaube, dass, einmal zurück zuhause, ich mich unglaublich freuen werde, alle meine lieben Menschen wiederzuhaben, aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich eine so wahnsinnige Angst vor dem Abschied von Kanada, von meiner ganzen Zeit hier, dass es sich ganz merkwürdig anfühlt. Das letzte Jahr war irgendwie das beste Jahr meines Lebens. Ich habe hier so viele Leute liebgewonnen, so viel Neues kennengelernt, dass ich von nun an doch wohl immer etwas vermissen werde, egal auf welcher Seite des Ozeans ich stehe.

Wenn ich allerdings im letzten Jahr etwas gelernt habe, dann wohl, dass Abschied und Neuanfang immer Hand in Hand gehen.

So war es auch dieses Mal wieder, als Clara und ich am Montag dem ganzen Two-Whales-Coffeeshop-Team Auf Wiedersehen gesagt haben.

 Es war echt eine tolle Zeit; zusammen mit Rosie aus England und Clara, die auch aus Deutschland kommt, habe ich eine Menge Spaß gehabt, während wir Gemüsebeete angelegt, das Haus gestrichen, gekocht und gebacken haben. Clara und ich haben die wunderbare Aussicht vom Skerwink-trail mehr als einmal genossen und konnten dabei fast jedes Mal Wale beobachten. Sue hat uns auf Ausflüge in ein verlassenes Fischerdorf mitgenommen und nach Trinity. Außerdem sind Clara und ich nach Bonavista gefahren, um da die Puffins um die Klippen herumsausen zu sehen (eine witzige Vogelart; sieht aus wie eine Mischung aus Pinguin und Papagei).

Das Cafe an sich ist wirklich der kulturelle Mittelpunkt von Port Rexton und wahrscheinlich auch noch in einem Umkreis von 30,40 Kilometern. So klein es ist, es finden dennoch Konzerte lokaler Künstler und Bands von Newfoundland oder Kanada dort statt, bei denen das kleine Holzhaus ächzt, wenn so 40 Leute sich da hineinquetschen, um das Spektakel zu sehen.

Wirklich, einen so kleinen Ort wie Trinity East, bzw. Port Rexton kann man sich kaum vorstellen. Ich muss jetzt noch lächeln bei der Erinnerung an Sue, als wir mit dem Auto an einer Straße den Verkehr durchlassen mussten und sie bei nur zwei Autos in die eine und einem Auto in die andere Richtung übrrascht die Augenbrauen hochgezogen meinte: "Wow, it´s busy!"

Sie hat Clara und mich an unserem letzten Tag zur Fähre in Argentia gebracht und nach 18-stündiger Überfahrt waren wir beide wohl mehr als bereit, den Festlandboden zu küssen. Es ist zwar eine Riesenfähre, sie hat aber dennoch so sehr geschaukelt, dass ich mir die ganze Zeit irgendwie wie betrunken vorgekommen bin. Ein junger Mann mit furchtbarem Musikgeschmack (das hab ich aber erst später herausgefunden) und einem Boxer hat uns netterweise auf der Fähre angeboten, uns mitzunehmen nach Truro, von wo aus es nur noch ein Katzensprung nach Halifax war.

Hier bin ich jetzt, bei der Schwester eines Freundes, den ich auf Prince Edward Island kennengelernt hatte. Die ganze Familie ist so nett und herzlich, wie es mir hier schon so oft begegnet ist und dennoch ist es alles andere als selbstverständlich! Wir wohnen hier zusammen für ein paar Tage, bis mein Flieger nach Deutschland geht und erkunden bis dahin die Umgebung um Halifax und die Stadt selbst.

Es ist wunderschön, so viel kann ich schon nach nur zwei Tagen sagen. Eine Wahnsinnslandschaft und Strände, alte Fischereidörfer und Halifax´ zauberhafte Altstadt.

 

24.7.14 14:15, kommentieren

Inselruhe

Inzwischen bin ich mir jeden Morgen des neuen Datums nur zu bewusst und wie viele mir verbleibende Tage in Kanada das bedeutet. Denn Ende Juli geht der Flieger nach Deutschland und das zerreißt mich irgendwie ziemlich, weil es auf der einen Seite unvorstellbar schön sein wird, nach einem Jahr wieder nach Hause zu kommen und ich auf der anderen Seite einfach hierbleiben will. Weil hier irgendwie auch Zuhause ist. Vor einer knappen Woche bin ich von St. John's mit einem Taxibus ( den man einen Tag vor geplanter Abreise anruft und bittet, einen auf der Route einzuplanen und abzuholen) nach Trinity auf der Bonavista Peninsula, Newfoundland, gefahren. Hier verbringe ich noch ein paar Tage in einer sehr lieben Familie lebend, die ein organisches Cafe' betreibt. Dieser Ort ist im Grunde genommen so menschenverlassen, dass man sich nur wundern kann, wie in dem kleinen Cafe' ein so reger Betrieb herrschen kann. Landschaftsmäßig allerdings ist er wiederum so einzigartig, dass es Sinn macht. Die meisten Gäste sind Touristen, die zum Wale-und Puffinbeobachten herkommen und um den sogenannten Skerwink-Trail an Buchten und Kliffen entlang zu meistern. Schon an meinem ersten Tag hier habe ich Wale gesehen! Manchmal hört man das Geräusch des Luftausstoßens, wenn sie auftauchen, noch bevor man sie sieht. Manchmal sieht man nur eine Flosse kurz aus dem Wasser ragen und manchmal-wenn man Glück hat- tauchen sie so tief, dass ihre Schwanzflosse sichtbar wird. Momentan ist eine wirklich gute Zeit für Walbeobachtungen, weil sie wegen einer Fischart mit Namen Capelin ganz nah an die Buchten kommen. Wenn ich nicht gerade Ausflüge mache, die mich doppelt atemlos zurücklassen, arbeite ich entweder in David's und Sue's Garten oder streiche ihr Cafe', seit kurzem ist auch noch Clara da, die dabei hilft. Sie, Sue und David sind absolut liebe Menschen, besonders letztere legen einen unheimlichen Wert darauf, bewusst zu leben und sich Zeit zu nehmen. Niemandem würde man das besser abnehmen als David. Der ist ein so netter Kerl, wirklich, und ich mag ihn, aber man könnte ihm definitiv im Gehen die Hose flicken und die Schuhe neu besohlen. Aber Zeit hat hier scheinbar auch irgendwo noch eine andere Bedeutung. Ich denke, als Großstadthektiker muss man sich in Newfoundland - Oder zumindest in Trinity- zuallererst auf eine bestimmte Gelassenheit einstellen.

6.7.14 21:26, kommentieren

Neueste Geschichten

 

So, hier nur schnell ein kurzes Update:

 

Ich bin immer noch in St. John´s, Newfoundland. Arbeite immer noch in dem einzigen Hostel der Stadt. Bin immer noch jedes Mal beeindruckt von den Eisbergen und entdecke immer noch ein paar neue Pfade.

Im Hostel kann man eigentlich jeden Tag neue Kontakte zu interessanten Leuten knüpfen; sei es mit jungen Leuten, die sozusagen gerade erst aus der Schule kommen, Menschen, die sich mit ihrer Reise einen lange geträumten Traum erfüllen oder sogar ältere Leute, die nur die Ferne ihre Heimat nennen.

Die Welt ist wirklich ein kleiner Ort. Nur wenige Tage nach meiner Ankunft hier, ist eine liebe Bekannte, die ich auf der Fähre nach Port-aux-Basques kennengelernt hatte und die ich inzwischen Freundin nennen möchte, auch in St. John´s gelandet.

Und meine kleine belgische Freundin aus Toronto habe ich hier auch wieder getroffen!

Es gibt noch drei andere Helfer. Witzige Leute allesamt. Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Leuten aus dem Hostel wurde ich vor kurzem "eingescreetcht" und darf mich nun offiziell ehrenwertes Mitglied der Neufundländer nennen. Was man dafür tun muss? Einen gefrorenen cod fish (Kabeljau) küssen und einen fürchterlichen Rum, der Screetch heißt, herunterstürzen, während ein dicker Fischer so schnell und mit einem so breiten neufundländischen Akzent Reime und Lieder ausstößt, dass niemand, wirklich niemand irgendetwas versteht. Echt witzig.

Und ein paar Wale habe ich in der Bucht vor dem Hafen ausmachen können. Viel konnte man leider nicht sehen, aber es kam trotzdem einem Gefühl nahe, als würde man gerade auf Einhörner stoßen

Jetzt regnet und regnet es und will gar nicht mehr aufhören.

Bis bald

27.6.14 18:03, kommentieren