Ein Reisebericht

Newfoundland

 

Schon wieder weiß ich gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Es waren ziemlich ereignisreiche Tage.

Prince Edward Island, auf das ich mich so gefreut hatte, war eine ziemliche Enttäuschung. 

Nicht die Insel an sich; die ist sehr malerisch, hat tolle Strände und romantische Sonnenuntergänge. Aber die Familie, mit der ich leben und in deren Restaurant ich eigentlich für eine Weile arbeiten wollte, war so komisch, dass ich es nur eine Woche dort ausgehalten habe. Es gab dort noch vier andere Helfer, zwei Pärchen. Das eine hat sich offenbar gut mit den Leuten verstanden, das andere hat sich genauso unwohl gefühlt wie ich und so haben wir gemeinsam beschlossen, weiterzureisen.

Da die Leute, denen das Restaurant gehört, sich geweigert haben, uns zum einzigen Busbahnhof, der sich in Charlottetown, das ca eine Dreiviertelstunde Fahrzeit entfernt ist, zu bringen, haben Margaux, Ashley und ich kurzentschlossen einen seeeehr netten Freund der Familie angerufen, der uns bereitwillig mit in die Stadt genommen hat.Der Name dieses Heiligen ist Bruce, dem ich an dieser Stelle gern nochmal danken möchte, obwohl er diese Zeilen höchstwahrscheinlich niemals lesen wird.

 Ashley und Margaux wollten dann weiter nach Nova Scotia. Wir sind zusammen bis North Sydney gefahren, von wo aus ich dann die Fähre nach Newfoundland genommen habe.

Irgendwie habe ich die ganze Zeit nicht damit gerechnet, dort wirklich noch hinzukommen, weil es so weit ab vom Schuss schien. Das alles war so spontan und nicht lange geplant, dass sich mir eigentlich immer noch der Kopf dreht.

Aber es hat geklappt! Nach sieben Stunden Fahrt durch die Nacht mit der Fähre habe ich kurz nach Sonnenaufgang den Hafen von Port-aux-Basques ausmachen können. Noch auf der Fähre habe ich glücklicherweise auch einen älteren Griechen kennengelernt, der mich mitgenommen hat nach St. John´s. 900 Kilometer, es war eine lange Fahrt, aber gesäumt von wirklich atemberaubender Landschaft.

Und die weite Reise hat sich absolut gelohnt: St. John´s, das die östlichste Stadt Nordamerikas ist, besteht aus kunterbunten Holzhäusern, in denen nicht nur Pippi Langstrumpf sich wohl fühlen würde, und einem Hafen, in dem das Wasser glitzert und an dem Eisberge aus Grönland oder weiß-der-Kuckuck-woher vorbei treiben. Ich wollte meinen Augen gar nicht trauen, Eisberge im Juni!

Es ist so wunderwunderschön. Mein Tagebuch ist gefüllt mit den schönsten Adjektiven, um meine Begeisterung angesichts schroffer Felsen und sich an den daran brechenden Wellen zu beschreiben. Nauris, der auch Wurzeln in St. John´s hat, hat heute eine beinahe schon wütende Sms erhalten, weil er mir nicht ausdrücklich gesagt hat, hierher zu kommen.

Ich wohne jetzt in einem kleinen Hostel, in dem ich gegen Logis arbeiten kann, und habe schon Kontakt zu ein paar echt lieben Neufundländern geknüpft.

Im Moment bin ich einfach so unglaublich glücklich, hier zu sein! 

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15.6.14 02:24, kommentieren

Le long de la route...

 

 

Wer immer mich fragt, wo von allem in Kanada Gesehenem es mir am Allerallerbesten gefallen hat, der bekommt ohne jegliches Zögern `Vancouver`zur Antwort. Immer, da kommt nichts ran.

Das hängt vermutlich auch einfach mit der ganzen dort verbrachten Zeit und den wunderbaren Erfahrungen zusammen, die ich gemacht habe.

Doch Montreal war nach Vancouver die erste kanadische Stadt, in der ich mir hätte vorstellen können, auch so lange zu leben. Die Stadt war vollkommen anders, aber ebenfalls wunderschön und mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Ich habe es geliebt, durch die alten Gassen am Hafen zu schlendern und auf den Hügel im Park auf dem Plateau Mont-Royal zu klettern, von wo aus man über die halbe Stadt blicken konnte.

Auch in dem winzigen Hostel direkt am Hafen habe ich sehr gern gewohnt; das war so klein, dass schon beinahe eine familiäre Stimmung dort geherrscht hat. Besonders mit einem jungen Mann aus Oklahoma hab ich mich gut verstanden; wir haben zusammen spontan eine Tagestour mit Fahrrädern unternommen, komische Yogafiguren gemacht und irgendwie über Gott und die Welt philosophiert.

Einmal hat es gebrannt. Mitten in der Nacht hat eine der beiden anderen Deutschen auf einmal einen furchtbaren Krach gemacht und dann waren mehr und mehr Leute auf den Beinen. Ich war noch so schlaftrunken, dass ich nur halb am Überlegen war, nach wem ich jetzt eigentlich mein Kissen werfen muss, als auch schon Feuerwehrmänner gegen die Türen getreten haben, und da hab auch ich den Qualm gerochen.

Wie sich herausgestellt hat, war es dass Nebengebäude, aus dem Rauch aus dem Dach aufstieg. Ich glaube nicht, dass es ein großes Feuer war, denn es war relativ schnell gelöscht, aber wir mussten natütrlich dennoch alle das Gebäude räumen und standen dann ungefähr eine Stunde fröstelnd in unseren Schlafsachen auf der Straße herum; die wenigsten hatten Zeit gehabt, Schuhe oder eine Jacke anzuziehen.

Erst später, als wir alle wieder in unsere Betten gekrochen sind, ist mir klargeworden, was für ein Riesenglück wir eigentlich hatten, dass unser einziger Schaden aus nach rauchig riechenden Kleidern bestand.

 

Abgesehen von diesem Schreckensereignis war Montreal ein großartiges Erlebnis.

Von dort aus ging es in nur 2 ½ Stunden weiter nach Quebec, das auch definitiv Charakter hat. Es fühlt sich wirklich an wie Frankreich, weil hier nun wirklich das Herzstück des frankophonen Kanadas ist. Die kleinen alten Straßen und Gassen besitzen ein europäisches Flair – und hier spricht nun wirklich jeder französisch, bzw. quebecois! Generell wirken Quebec und auch Montreal schon sehr viel europäischer als der Rest Kanadas ( man hält sich nicht gegenseitig die Türen auf, entschuldigt sich nicht fürs Anrempeln und es kommt niemand auf dich zu, um dir zu helfen, nur weil du verloren mit einem Stadtplan rumstehst – yepp, europäisch ).

Es scheint, dass Englisch den meisten Leuten hier recht schwer fällt; Ausnahmen sind natürlich die, deren Englisch aufgrund ihres Jobs im Tourismusbereich vorrausgesetzt ist.

 

In Quebec hatte ich nun nur zwei Tage, aber es ist ja auch nur eine kleine Stadt, mit einem alten Fort, bzw Zitadelle, dem beeindruckenden Chateau Frontenac, einer hübschen Promenade und vielen kleinen Geschäften.

Und jetzt ist es wohl wieder erst mal das letzte Mal, dass die Koffer gepackt werden müssen für eine kleine Weile. Vor wenigen Stunden erst bin ich auf Prince Edward Island angekommen.

Ich habe dem nun einerseits etwas entgegen gesehen, weil das Herumreisen mit dem schweren Gepäck und das dauernde Wiederzurechtfinden in neuen Städten, in denen man sich nur wenige Tage aufhält, neben all den tollen Erlebnissen, die ich ja natürlich nicht missen möchte, auch immer irgendwo anstrengend ist.

Auf der anderen Seite waren diese Tage jetzt auch wieder ein eigener kleiner Abschnitt dieses Kanadajahres, der leise, beinahe unbemerkt, vorübergeht.

 

6.6.14 01:30, kommentieren

Der große Apfel

 

 

Vor einer Woche noch war ich so aufgeregt, nach New York zu fahren, dass ich beim Stop in Syrakus schon drauf und dran war, den Busfahrer zu beknien, wieder umzudrehen. 

Hab mich aber nicht getraut und musste deswegen nach NY

Und das war gut! Richtig gut! Ehrlich, ich hätte gar nicht so eine Angst zu haben brauchen.

Das Subwaynetz könnte zwar als Studienfach herhalten, aber ich hatte eigentlich nie Probleme, die für mich richtige Linie zu finden und Leute, die ich hin und wieder nach dem Weg fragen musste, haben mir auch immer sehr bereitwillig und zuvorkommend geholfen.

Gewohnt habe ich in einem kleinen Hostel in Brooklyn, dessen Rezeptionist wirklich süß war, weil er sein Herz vor einer Weile schon an Berlin verloren hat und sich mächtig gefreut hat, mit mir sein Deutsch etwas praktizieren zu können - das hatte allerdings einen so starken Amiakzent, dass ich eindeutig mehr verstanden habe, wenn er englisch sprach.

Die vier Tage dort sind so unglaublich schnell vorbei gegangen und waren viel zu leicht ausgefüllt mit Schlenderungen durch den Central Park, Manhattan, Brooklyn, dem Empire State Building und Museumsbesuchen. Im Museum für moderne Kunst allein hab ich fünf Stunden verbracht und hätte es auch noch länger dort ausgehalten; für Kunstfans ist New York, glaube ich, wirklich ein kleines Paradies.

Natürlich war ich auch am 9/11-Memorial und wäre gern in das Museum dort gegangen, tatsächlich aber sind Tickets dort schon für vier Tage im Vorraus ausverkauft!

Nun geht meine kleine Reise aber noch ein bisschen weiter. Als der Bus die Grenze zwischen USA und Kanada wieder überquert hatte, konnte ich endlich wieder aufatmen - und das nicht nur, weil die Grenzbeamten in Buffalo einen so strengen Blick drauf haben, dass man sich schon automatisch schuldig fühlt.

Nein, es fühlt sich irgendwie alles wieder ein wenig vertrauter an; kann gar nicht recht beschreiben, warum.

Momentan bin ich in Ottawa, Kanadas Hauptstadt und Regierungssitz.Das vermutet man gar nicht, oder? Ottawa? Kann man das essen?

Es wurde 1857 als eine Art  Kompromiss, entstanden aus der Rivalität der beiden Metropolen Toronto und Montreal, beziehungsweise zwischen Engländern und Franzosen, von Queen Victoria zur Hauptstadt Kanadas erklärt. Die Bewohner sind gemischt französisch- und englischsprachig, sowird man in jedem Laden oder auf der Post mit " Hello bonjour" begrüßt und auch in Gesprächen, die man so auf der Straße mitbekommt, sind sowohl englisch als auch französisch vertreten.

Es ist eine recht hübsche, aber überschaubar große Stadt, in deren Zentrum alles recht gut zu Fuß zu erreichen ist. Außerdem findet gerade das alljährliche Tulpenfestival statt, in dem die ganze Stadt erblüht. 

Interessant ist auch meine Hostelunterkunft: es handelt sich um ein altes Gefängnis mit den alten Zellen als Zimmern. Meine Zimmernachbarin hat mich soeben darüber aufgeklärt, dass es hier drin sogar noch den letzten funktionieren Galgen in einem kanadischen Gefängnis gibt (na danke, heute Nacht schlafe ich sicher fantastisch).

Morgen reise ich schon wieder weiter nach Montreal, von dem ich jetzt schon so viel Gutes gehört habe, und schreibe natürlich bald wieder.

 

 

28.5.14 04:28, kommentieren

Große Schritte und kleine Probleme

Wow, das war eine lange Pause...noch auf der Farm hatte ich immer das Gefühl, es wäre mal wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag, doch irgendwie bin ich nie so richtig dazu gekommen. Und auf einmal finde ich mich auf dem Weg nach New York City (!) und muss da jetzt mal eine Verbindung herstellen.

 

Der letzte Monat auf der Magda Farm war stressig und erfrischend, anstrengend und vielseitig, manchmal angespannt und immer großartig. So viele Pflanzen wurden gesäht, umgepflanzt und schließlich verkauft, dass deren Ernte bestimmt reicht, um ganz Toronto für einen Monat zu ernähren (naja, wenigstens eine Woche;D). Exkursionsfreudige Schweine wurden wieder eingefangen, Kälbchen wurden geboren, Küken aufgezogen und wundervolle neue Freundschaften geschlossen. Ich habe wirklich jeden einzelnen Tag genossen.

Zuletzt hab ich Nick manchmal auf seinen Liefertouren nach Toronto und Umgebung begleitet und listenabhakend all unser Gepflanztes in Läden und Pflanzengroßmärkten verschwinden sehen, also im Grunde genommen den ganzen Zyklus erlebt.

Die Sonne ist in diesen Tagen auch zum gern gesehenen Gast geworden, so dass Nick häufig seine sogenannten „I´m-going-to-be-a-dad-for-a-second, ok?“-Momente hatte und uns alle vor Sonnenbrand gerettet hat. Abgesehen davon hat er uns mit den leckersten Gerichten bekocht und hat sogar das Wunder vollbracht, mich zum Fisch-essen zu locken.

Auch Vera und vor allem Caroline sind mir ans Herz gewachsen. Sie haben mir vor der Reise kleine Karten und Briefe geschrieben, die ich erst im Bus öffnen durfte, mit Geschenkgutscheinen darin für meine Hilfe ( aber, ohne falsche Bescheidenheit, so viel kann ich nie im Leben geholfen haben, als das alles zu verdienen!). Ganz sicher werden wir in Kontakt bleiben und uns vielleicht sogar gegenseitig in Belgien, Kanada und Deutschland besuchen.

 

Aber alles hat ja eine Zeit, nicht wahr?

Deshalb habe ich also Sonntag morgen wieder einmal die Segel gestrichen, wieder Abschied genommen (oh Mann, ich bin es so, so leid) und mich auf den Weg nach Toronto gemacht.

Da ich nur diesen einen Tag in der Stadt selbst hatte- am nächsten Tag war ein Tagestrip zu den Niagarafällen geplant und am Dienstag (heute) musste ich einen Bus schon früh morgens erwischen- wollte ich meinen Handyakku,der kaputt war, unbedingt am Sonntag auswechseln lassen. Die ermüdende Qual, einen Laden zu finden, der meinen Akku-offenbar eine Art Auslaufmodell heutzutage- besitzt, beziehungsweise auch noch auswechselt, erspare ich euch. Zuletzt konnte ich doch wirklich einen Laden ausmachen, der meinen Akku noch am gleichen Tag bestellen wollte, sodass ich mein Handy am nächsten Tag abends abholen könnte.

Das hätte auch geklappt, wenn es nicht ein Problem mit dem Greyhoundbus in Niagara Falls gegeben hätte. Der hätte um 5 da sein sollen; in dem Fall hätte ich es gut bis 7 nach Toronto und zu dem Laden geschafft. Ihr merkt den Konjunktiv.

Doch auch mit der ewigen Warterei und immer ungeduldiger werdenden Leuten (insbesondere die meckernden Deutschen natürlich), meiner Sorge, es nicht rechtzeitig nach Toronto zu schaffen und wegen des Handys am darauffolgenden Tag nicht nach New York reisen zu können und der Frustration angesichts der ganzen Situation, in der es einfach keine Information überhaupt gab, warum kein Bus kommt oder wenn, diese zu voll waren, als dass sie noch jemanden nach Toronto mitnehmen könnten, will ich euch nicht langweilen.

Glücklicherweise hab ich ja immer Glück, selbst, wenn ich kein Glück habe Und so bin ich zwar erst um halb 10 mit ca 2 ½ Stunden Verspätung in Toronto angekommen, aber der Typ vom Handyladen hat sich trotzdem noch mit mir getroffen (der Laden war natürlich schon lange zu), um mir mein technisches Hilfsmittel zu geben (verrückt, wie nackt man sich auf einmal fühlt, wenn man mal einen Tag ohne Handy auskommen muss-ziemlich traurig eigentlich). Das war so lieb und verständnisvoll, dass ich -inzwischen ziemlich durch den Wind- ihm richtig um den Hals gefallen bin; der denkt jetzt wahrscheinlich, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hab, aber das war einfach so bemerkenswert und nett.

Der Tag in Niagara Falls hat dadurch einen ziemlichen Schatten in meiner Erinnerung abbekommen, aber an sich waren die Fälle natürlich superbeeindruckend und ich bin froh, dort gewesen zu sein, das gesehen zu haben.

 

Tja, und wenn ich jetzt nach links aus dem Fenster schaue – wartet kurz- sehe ich im Moment nur Autobahn, doch ab und zu fliegen kleine amerikanische Städte vorbei.

Die Grenzüberquerung in Buffalo habe ich schon hinter mir und der nächste Stop wird Syracus sein, bevor der Bus hoffentlich heute abend in NEW YORK landet.

Alles, was ich mir momentan wünsche, ist, dass diesem Blogeintrag noch andere folgen werden können und ich nicht in der Stadt, die niemals schläft, verschütt gehe.

Ich werd´s euch wissen lassen

 

Bis dahin!

Leandra

1 Kommentar 21.5.14 03:32, kommentieren