Ein Reisebericht

Stadtmädchen inkognito

 

 

Die Tage fliegen nur so dahin.

Ich bin immer noch auf der Farm in Guelph und habe eine tolle Zeit. Während der fast zwei Wochen, die ich hier nun schon verbracht habe, ist mir die "Magdafarm" mit all ihren menschlichen und tierischen Bewohnern schon sehr vertraut geworden, obwohl wirklich kein Tag wie der andere ist. Und jeden  Tag werden neue Geschichten geschrieben.

Kurz vor Ostern haben wir mit vollem Körpereinsatz eines der Schweine einfangen müssen, denen Nick gerade ihr neues Zuhause präsentiert hatte, und das irgendwie dem Gehege und auf das riesige Nachbargrundstück entflohen ist. Ein paar Tage später ist Cerise als das erste aus einer Reihe von Kälbchen geboren worden, die alle in den nächsten Tagen bis Wochen erwartet werden. Bei der zweiten Geburt heute waren Caroline, Vera und ich sogar life dabei und haben dieses kleine viel zu niedliche Wunder bestaunt.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das Leben auf einer Farm mal so genießen könnte. Vielleicht auch nur, weil ich weiß, dass es nur für eine bestimmte Zeit ist. Die Arbeit ist stellenweise ziemlich anstrengend und kräftezehrend (ich bekomme endlich ein ganz paar Muskeln! Mit 20 Jahren Verspätung, aber immerhin;D), doch es macht auch irgendwo Spaß und es gibt hier so unglaublich viele schöne Momente. Das Heimweh, dass mich vor kurzem noch so geplagt hat, habe ich darüber schon ganz vergessen.

Nick, Vera und Caroline sind auch einfach tolle Menschen. Mir wird immer bewusster, dass auf dieser ganzen Reise das Allerwichtigste die Menschen sind, die einem begegnen. Seien es nun Lisa und Doug, die so lieb und hilfsbereit waren und mir ganz am Anfang schon so viel Mut und Selbstvertrauen eingeflößt haben, dass es eigentlich für das volle Jahr reichen müsste, Darri und Pavla, Nauris, Marketa und all die anderen Freunde, die Vancouver in meiner Erinnerung so einzigartig machen oder alle die, die mir nach dem halben Jahr Vancouver schon auf der Reise  begegnet sind und machen, dass ich einfach noch nicht von hier wegwill

29.4.14 03:50, kommentieren

Reise durch Kanada

 

 

Dieses Mal ist die Spanne zwischen zwei Blogeinträgen mal relativ kurz. Das ist so, weil hier in den letzten Tagen eine ganze Menge ziemlich Aufregendes passiert ist und ich das Gefühl habe, platzen zu müssen, wenn ich meiner Begeisterung jetzt nicht einfach mal schnell schriftlich Ausdruck verleihe.

In zwei Tagen und sieben Stunden bin ich von Red Deer in Alberta nach Toronto, Ontario gefahren, über Calgary, Regina, Saskatoon, Winnipeg und ein paar kleinere Städte. Es war eine wirklich lange Reise, anstrengend und ziemlich langbeinigendiskriminierend, mit dem Greyhoundbus durch einen Großteil des Landes.

Aber es hat sich doch gelohnt, den „flachen Teil in der Mitte“ Kanadas nicht einfach durch einen Flug zu überspringen. Ich habe einen märchenhaften Sonnenaufgang in Manitoba gesehen und konnte einige tolle Ausblicke auf zwei der Großen Seen in Ontario erhaschen. Ansonsten war die Aussicht doch eher eintönig, weil man stundenlang durch nichts als flaches Prärieland gefahren ist, das man sich leicht als Kulisse für einen Karl May-Roman vorstellen konnte.

Auf der Fahrt hab ich auch wieder ein paar Kontakte knüpfen können, unter anderem zu einem jungen Dauerreisenden auf dem Weg nach Montreal und zu einem gerade zur Ruhe gesetzten Lehrer aus der Nähe Torontos, der mir das letzte Stück der Fahrt eine ganze Menge über die Gegend und Gott und die Welt zu erzählen wusste. Ein richtiger Lehrer eben.

Der hat mich sogar noch auf den richtigen Weg in Toronto geschickt, so dass ich mein Hostel ohne jegliche Probleme gefunden habe, und schließlich sogar dort angerufen, um sich zu erkundigen, ob ich gut angekommen sei!

Als der Bus in Toronto einfuhr, hatte ich richtig Schmetterlinge im Bauch vor Aufregung, und hab mich gleichzeitig gefühlt, als könnte diese riesige Stadt mich im Ganzen verschlingen.

Aber Leute wie dieser freundliche Lehrer oder Edie, die mich am Bahnhof in Red Deer mit so vielen lieben Wünschen verabschiedet hat und unbedingt eine Nachricht haben wollte, wenn ich gut angekommen sei, geben mir doch irgendwie immer wieder das Gefühl, dass immer jemand ein bisschen auf mich aufpasst. Und das ist wirklich schön.

Naja, jedenfalls kam eine Übernachtung im Hostel – in einem richtigen Bett!- mir dann schon wie absoluter Luxus vor. Außerdem war meine eine Zimmermitbewohnerin ebenfalls Berlinerin und - wie sich dann schnell rausgestellt hat – hat sie nur ein paar Blocks entfernt von dort gelebt, wo ich aufgewachsen bin. Die Welt ist so klein.

Die Weiterfahrt am nächsten Tag in die gar nicht mal so kleine Stadt Guelph, die nur ca eine Stunde von Toronto entfernt liegt, hat dann auch gut geklappt. Etwas ab vom Schuss von Guelph dann befindet sich eine kleine Farm, auf der ich vorraussichtlich die nächsten zwei, drei Wochen verbringen werde.

Und ich liebe es jetzt schon! Nick und Vera, die Farmer, sind supernett und haben beide einen großartigen Humor. Auch Carolyn, eine andere Wwooferin (die aber jetzt eigentlich gar keine Wwwoferin mehr ist, weil Vera sie fest angestellt hat), ist eine lustige und angenehme Gesellschaft. Sie ist aus dem französischsprachigen Teil Belgiens ( ich kenne niemanden, der „Kevin Costner“ so verliebt und so französisch ausspricht!) und schon zum zweiten Mal auf der Farm.

Weil April und Mai die geschäftigsten Monate für Vera sind, spielt sich die ganze Arbeit fast ausschließlich in ihren zwei großen Gewächshäusern ab, doch es gibt auch einige (sehr!) schwangere Kühe und viele Hühner. Es gibt wirklich viel zu tun, aber es macht Spaß und nach der Arbeit wartet eines von Nicks köstlichen Gerichten auf einen. Ich hatte außerdem vorher noch genug Zeit, um mir den Hund Oskar zu schnappen, der schon mein Freund ist, und ein bisschen die Umgebung zu erkunden.

Die nächste Zeit wird, glaube ich, echt schön und danach freue ich mich schon darauf, Toronto mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

18.4.14 03:10, kommentieren

Frühling in Alberta! Endlich!

Ihr könnt euch meine Freude angesichts des mit jedem Tag weniger werdenden Schnees und der steigenden Temperaturen sicher vorstellen. Es sah schon so aus, als wollte die dicke weiße Masse für immer bleiben, in der Sonne glitzernd wie Staub, der bei "Swarovski" abgefallen ist. Aber jetzt scheint der Winter auch in Kanada endlich ein Einsehen zu haben und sich zu verabschieden. Zuerst hab ich mich auf der neuen Farm gar nicht so wohl gefühlt. Obwohl ja alle von Anfang wieder supernett waren. Das Heimweh hat mir aber ziemlich zu Schaffen gemacht und die beängstigende Erkenntnis, von nun an wieder ganz auf mich allein gestellt zu sein, ohne Nauris oder andere Freunde aus Vancouver oder sogar meine Eltern. Mittlerweile hat sich aber meine gute Laune wieder eingerenkt Was bestimmt auch damit zu tun hat, dass ich jetzt schon richtiger Pro im Marmeladekochen bin (mir also nur höchstens noch zwei Brandblasen pro Tag zuziehe). Andere (ungefährlichere) Aufgaben sind zum Beispiel auch, Gewächshauskästen mit Erde zu füllen und mit neuen Samen zu versehen, Flaschen für Bills selbstgemachten Wein zu waschen, auf Farmermessen zu helfen, zu kochen oder Pies zu backen. Neben der Arbeit bleibt aber auch noch genug Zeit, um sich mal draußen mit einem Buch in die Sonne zu setzen, die ihre Aufgabe ja jetzt endlich wieder ernst zu nehmen scheint oder mit der kleinen Trinity Fußball zu spielen. So habe ich mich doch noch ganz gut eingewöhnt und die Familie ins Herz geschlossen. Und sie mich auch, glaube ich. Vor ein paar Tagen hat Edie mich mal nach Edmonton mitgenommen; in erster Linie, um eine neue Ladung Gläser für Marmelade abzuholen und in zweiter, um mir ein Museum und das Legislature Building zu zeigen, in welchem das Parlament der der Provinz Alberta zusammen kommt. Dort konnten wir einer Versammlung von einer erhöhten Zuschauertribüne aus life beiwohnen, was schon echt beeindruckend war. Morgen nun aber geht es wieder weiter, diesmal mit dem Bus nach Toronto. Beim Gedanken an die lange Reise wird mir schon wieder etwas mulmig zumute; die dauert immerhin mehr als zwei volle Tage! Zwei Tage, in denen man in den falschen Bus umsteigen kann, sodass man aus Versehen in Alaska oder so landet zum Beispiel! Wo auch immer ich dann aber lande, ihr werdet es bald erfahren

12.4.14 23:22, kommentieren

Erdbeeren und Eisblumen


Eigentlich war es ja von vornherein klar: Der zweite Abschied von meiner Familie konnte ja nicht leichter werden als der erste.

Ich hasse Abschiede. Nichts ist schlimmer! Sie sind der einzige Grund, warum eine Work-and-travel-Reise vielleicht nicht zu empfehlen wäre. Es klingt immer so toll: man kommt viel rum, lernt eine Menge, trifft Menschen, schaut mal über den eigenen Tellerand hinaus, schließt Freundschaften. Was einem aber keiner vorher sagt, ist, je mehr Freunde man auf der Reise gewinnt, desto ärmer ist man hinterher, wenn man sie nicht mehr ganz selbstverständlich um sich hat.

Aber vielleicht gehe ich lieber mal chronologisch vor: Mein letzter Blogeintrag kam aus Kelowna, von wo aus wir weitergereist sind nach Banff (bzw.Canmore). Banffs kleines Städtchen inmitten der Rocky Mountains mit seiner schönen Umgebung hat uns allen so gut gefallen, dass wir es trotz einer recht gewöhnungsbedürftigen Unterkunft drei Tage dort ausgehalten haben (Ja, Mama, ich weiß, dass "gewöhnungsbedürftig" in deinen Augen noch sehr euphemistisch ausgedrückt ist ).

Von dort aus führte uns der Icefields Parkway durch einige schönsten Gletscher der Rockies über Lake Louise nach Jasper, wo wir wieder die verfroren-zauberhafte Winterlandschaft bewunderten. Meistens war es mit -6 - (-)10° so kalt, dass wir auf einmal fast schon die Kanadier verstehen konnten, die bei scheinbar jeder Kälte noch in Shorts und T-Shirt rumlaufen, als es einmal warme 5° im Plusbereich gab - die müssen wohl alle aus Alberta kommen und härtere Temperaturen gewohnt sein!

Zurzeit gibt es hier auch noch so einige zugefrorene Seen, über die man spazieren kann (oder man haut einfach ein Loch ins Eis und springt für einen kleinen Ausflug hinein, wie eine Gruppe von Eistauchern, denen wir ungläubig zugeschaut haben).

Zuletzt hat unsere gemeinsame Reise dann in Calgary geendet, von wo aus meine Eltern und Benni vor ca 7 Stunden losgeflogen sind.

Mich haben sie vorher noch auf einer verschneiten Wwoof-Farm in der Nähe von Lacombe, also irgendwo im Nirgendwo, ausgesetzt.

Na gut, nicht ausgesetzt, ich hab mir die Farm ja selbst ausgesucht, und es läuft auch alles ganz gut: die Gastfamilie, bestehend aus Edie, Bill und ihrer kleinen Tochter Trinity ist sehr nett, es gibt drei Katzen und zwei süße Hunde.

Weil gerade noch so viel Schnee liegt, kann man draußen arbeitsmäßig nicht viel tun und so habe ich heute den Großteil des  Tages damit verbracht, Ostereier für eine bevorstehende Suche hier auf dem Gelände mit Süßigkeiten zu füllen und eine ganze Menge Marmelade zu kochen.

Es ist also eigentlich alles gut und trotzdem gibt es immer wieder kurz Momente, in denen ich einfach gern Zuhause wäre - in Deutschland oder Vancouver.

Aber natürlich wäre es ziemlich blöd, jetzt abzubrechen, das weiß ich auch. Und ziemlich enttäuschend für mich selbst. Kanada ist so ein unermesslich großes und tolles Land, das ich immer noch bereisen und erkunden will, auch wenn es mir manchmal Angst macht.

Also, erbeermarmeladige Grüße an euch weiterhin aus Kanada!

 

29.3.14 06:48, kommentieren