Ein Reisebericht

Reise durch Kanada

 

 

Dieses Mal ist die Spanne zwischen zwei Blogeinträgen mal relativ kurz. Das ist so, weil hier in den letzten Tagen eine ganze Menge ziemlich Aufregendes passiert ist und ich das Gefühl habe, platzen zu müssen, wenn ich meiner Begeisterung jetzt nicht einfach mal schnell schriftlich Ausdruck verleihe.

In zwei Tagen und sieben Stunden bin ich von Red Deer in Alberta nach Toronto, Ontario gefahren, über Calgary, Regina, Saskatoon, Winnipeg und ein paar kleinere Städte. Es war eine wirklich lange Reise, anstrengend und ziemlich langbeinigendiskriminierend, mit dem Greyhoundbus durch einen Großteil des Landes.

Aber es hat sich doch gelohnt, den „flachen Teil in der Mitte“ Kanadas nicht einfach durch einen Flug zu überspringen. Ich habe einen märchenhaften Sonnenaufgang in Manitoba gesehen und konnte einige tolle Ausblicke auf zwei der Großen Seen in Ontario erhaschen. Ansonsten war die Aussicht doch eher eintönig, weil man stundenlang durch nichts als flaches Prärieland gefahren ist, das man sich leicht als Kulisse für einen Karl May-Roman vorstellen konnte.

Auf der Fahrt hab ich auch wieder ein paar Kontakte knüpfen können, unter anderem zu einem jungen Dauerreisenden auf dem Weg nach Montreal und zu einem gerade zur Ruhe gesetzten Lehrer aus der Nähe Torontos, der mir das letzte Stück der Fahrt eine ganze Menge über die Gegend und Gott und die Welt zu erzählen wusste. Ein richtiger Lehrer eben.

Der hat mich sogar noch auf den richtigen Weg in Toronto geschickt, so dass ich mein Hostel ohne jegliche Probleme gefunden habe, und schließlich sogar dort angerufen, um sich zu erkundigen, ob ich gut angekommen sei!

Als der Bus in Toronto einfuhr, hatte ich richtig Schmetterlinge im Bauch vor Aufregung, und hab mich gleichzeitig gefühlt, als könnte diese riesige Stadt mich im Ganzen verschlingen.

Aber Leute wie dieser freundliche Lehrer oder Edie, die mich am Bahnhof in Red Deer mit so vielen lieben Wünschen verabschiedet hat und unbedingt eine Nachricht haben wollte, wenn ich gut angekommen sei, geben mir doch irgendwie immer wieder das Gefühl, dass immer jemand ein bisschen auf mich aufpasst. Und das ist wirklich schön.

Naja, jedenfalls kam eine Übernachtung im Hostel – in einem richtigen Bett!- mir dann schon wie absoluter Luxus vor. Außerdem war meine eine Zimmermitbewohnerin ebenfalls Berlinerin und - wie sich dann schnell rausgestellt hat – hat sie nur ein paar Blocks entfernt von dort gelebt, wo ich aufgewachsen bin. Die Welt ist so klein.

Die Weiterfahrt am nächsten Tag in die gar nicht mal so kleine Stadt Guelph, die nur ca eine Stunde von Toronto entfernt liegt, hat dann auch gut geklappt. Etwas ab vom Schuss von Guelph dann befindet sich eine kleine Farm, auf der ich vorraussichtlich die nächsten zwei, drei Wochen verbringen werde.

Und ich liebe es jetzt schon! Nick und Vera, die Farmer, sind supernett und haben beide einen großartigen Humor. Auch Carolyn, eine andere Wwooferin (die aber jetzt eigentlich gar keine Wwwoferin mehr ist, weil Vera sie fest angestellt hat), ist eine lustige und angenehme Gesellschaft. Sie ist aus dem französischsprachigen Teil Belgiens ( ich kenne niemanden, der „Kevin Costner“ so verliebt und so französisch ausspricht!) und schon zum zweiten Mal auf der Farm.

Weil April und Mai die geschäftigsten Monate für Vera sind, spielt sich die ganze Arbeit fast ausschließlich in ihren zwei großen Gewächshäusern ab, doch es gibt auch einige (sehr!) schwangere Kühe und viele Hühner. Es gibt wirklich viel zu tun, aber es macht Spaß und nach der Arbeit wartet eines von Nicks köstlichen Gerichten auf einen. Ich hatte außerdem vorher noch genug Zeit, um mir den Hund Oskar zu schnappen, der schon mein Freund ist, und ein bisschen die Umgebung zu erkunden.

Die nächste Zeit wird, glaube ich, echt schön und danach freue ich mich schon darauf, Toronto mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

18.4.14 03:10

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