Ein Reisebericht

Le long de la route...

 

 

Wer immer mich fragt, wo von allem in Kanada Gesehenem es mir am Allerallerbesten gefallen hat, der bekommt ohne jegliches Zögern `Vancouver`zur Antwort. Immer, da kommt nichts ran.

Das hängt vermutlich auch einfach mit der ganzen dort verbrachten Zeit und den wunderbaren Erfahrungen zusammen, die ich gemacht habe.

Doch Montreal war nach Vancouver die erste kanadische Stadt, in der ich mir hätte vorstellen können, auch so lange zu leben. Die Stadt war vollkommen anders, aber ebenfalls wunderschön und mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Ich habe es geliebt, durch die alten Gassen am Hafen zu schlendern und auf den Hügel im Park auf dem Plateau Mont-Royal zu klettern, von wo aus man über die halbe Stadt blicken konnte.

Auch in dem winzigen Hostel direkt am Hafen habe ich sehr gern gewohnt; das war so klein, dass schon beinahe eine familiäre Stimmung dort geherrscht hat. Besonders mit einem jungen Mann aus Oklahoma hab ich mich gut verstanden; wir haben zusammen spontan eine Tagestour mit Fahrrädern unternommen, komische Yogafiguren gemacht und irgendwie über Gott und die Welt philosophiert.

Einmal hat es gebrannt. Mitten in der Nacht hat eine der beiden anderen Deutschen auf einmal einen furchtbaren Krach gemacht und dann waren mehr und mehr Leute auf den Beinen. Ich war noch so schlaftrunken, dass ich nur halb am Überlegen war, nach wem ich jetzt eigentlich mein Kissen werfen muss, als auch schon Feuerwehrmänner gegen die Türen getreten haben, und da hab auch ich den Qualm gerochen.

Wie sich herausgestellt hat, war es dass Nebengebäude, aus dem Rauch aus dem Dach aufstieg. Ich glaube nicht, dass es ein großes Feuer war, denn es war relativ schnell gelöscht, aber wir mussten natütrlich dennoch alle das Gebäude räumen und standen dann ungefähr eine Stunde fröstelnd in unseren Schlafsachen auf der Straße herum; die wenigsten hatten Zeit gehabt, Schuhe oder eine Jacke anzuziehen.

Erst später, als wir alle wieder in unsere Betten gekrochen sind, ist mir klargeworden, was für ein Riesenglück wir eigentlich hatten, dass unser einziger Schaden aus nach rauchig riechenden Kleidern bestand.

 

Abgesehen von diesem Schreckensereignis war Montreal ein großartiges Erlebnis.

Von dort aus ging es in nur 2 ½ Stunden weiter nach Quebec, das auch definitiv Charakter hat. Es fühlt sich wirklich an wie Frankreich, weil hier nun wirklich das Herzstück des frankophonen Kanadas ist. Die kleinen alten Straßen und Gassen besitzen ein europäisches Flair – und hier spricht nun wirklich jeder französisch, bzw. quebecois! Generell wirken Quebec und auch Montreal schon sehr viel europäischer als der Rest Kanadas ( man hält sich nicht gegenseitig die Türen auf, entschuldigt sich nicht fürs Anrempeln und es kommt niemand auf dich zu, um dir zu helfen, nur weil du verloren mit einem Stadtplan rumstehst – yepp, europäisch ).

Es scheint, dass Englisch den meisten Leuten hier recht schwer fällt; Ausnahmen sind natürlich die, deren Englisch aufgrund ihres Jobs im Tourismusbereich vorrausgesetzt ist.

 

In Quebec hatte ich nun nur zwei Tage, aber es ist ja auch nur eine kleine Stadt, mit einem alten Fort, bzw Zitadelle, dem beeindruckenden Chateau Frontenac, einer hübschen Promenade und vielen kleinen Geschäften.

Und jetzt ist es wohl wieder erst mal das letzte Mal, dass die Koffer gepackt werden müssen für eine kleine Weile. Vor wenigen Stunden erst bin ich auf Prince Edward Island angekommen.

Ich habe dem nun einerseits etwas entgegen gesehen, weil das Herumreisen mit dem schweren Gepäck und das dauernde Wiederzurechtfinden in neuen Städten, in denen man sich nur wenige Tage aufhält, neben all den tollen Erlebnissen, die ich ja natürlich nicht missen möchte, auch immer irgendwo anstrengend ist.

Auf der anderen Seite waren diese Tage jetzt auch wieder ein eigener kleiner Abschnitt dieses Kanadajahres, der leise, beinahe unbemerkt, vorübergeht.

 

6.6.14 01:30

Letzte Einträge: Große Schritte und kleine Probleme, Der große Apfel, Neueste Geschichten, Von Newfoundland nach Nova Scotia (über viel, viel Wasser...), Letzte Worte

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen