Ein Reisebericht

Inselruhe

Inzwischen bin ich mir jeden Morgen des neuen Datums nur zu bewusst und wie viele mir verbleibende Tage in Kanada das bedeutet. Denn Ende Juli geht der Flieger nach Deutschland und das zerreißt mich irgendwie ziemlich, weil es auf der einen Seite unvorstellbar schön sein wird, nach einem Jahr wieder nach Hause zu kommen und ich auf der anderen Seite einfach hierbleiben will. Weil hier irgendwie auch Zuhause ist. Vor einer knappen Woche bin ich von St. John's mit einem Taxibus ( den man einen Tag vor geplanter Abreise anruft und bittet, einen auf der Route einzuplanen und abzuholen) nach Trinity auf der Bonavista Peninsula, Newfoundland, gefahren. Hier verbringe ich noch ein paar Tage in einer sehr lieben Familie lebend, die ein organisches Cafe' betreibt. Dieser Ort ist im Grunde genommen so menschenverlassen, dass man sich nur wundern kann, wie in dem kleinen Cafe' ein so reger Betrieb herrschen kann. Landschaftsmäßig allerdings ist er wiederum so einzigartig, dass es Sinn macht. Die meisten Gäste sind Touristen, die zum Wale-und Puffinbeobachten herkommen und um den sogenannten Skerwink-Trail an Buchten und Kliffen entlang zu meistern. Schon an meinem ersten Tag hier habe ich Wale gesehen! Manchmal hört man das Geräusch des Luftausstoßens, wenn sie auftauchen, noch bevor man sie sieht. Manchmal sieht man nur eine Flosse kurz aus dem Wasser ragen und manchmal-wenn man Glück hat- tauchen sie so tief, dass ihre Schwanzflosse sichtbar wird. Momentan ist eine wirklich gute Zeit für Walbeobachtungen, weil sie wegen einer Fischart mit Namen Capelin ganz nah an die Buchten kommen. Wenn ich nicht gerade Ausflüge mache, die mich doppelt atemlos zurücklassen, arbeite ich entweder in David's und Sue's Garten oder streiche ihr Cafe', seit kurzem ist auch noch Clara da, die dabei hilft. Sie, Sue und David sind absolut liebe Menschen, besonders letztere legen einen unheimlichen Wert darauf, bewusst zu leben und sich Zeit zu nehmen. Niemandem würde man das besser abnehmen als David. Der ist ein so netter Kerl, wirklich, und ich mag ihn, aber man könnte ihm definitiv im Gehen die Hose flicken und die Schuhe neu besohlen. Aber Zeit hat hier scheinbar auch irgendwo noch eine andere Bedeutung. Ich denke, als Großstadthektiker muss man sich in Newfoundland - Oder zumindest in Trinity- zuallererst auf eine bestimmte Gelassenheit einstellen.

6.7.14 21:26

Letzte Einträge: Große Schritte und kleine Probleme, Der große Apfel, Le long de la route..., Neueste Geschichten, Von Newfoundland nach Nova Scotia (über viel, viel Wasser...), Letzte Worte

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